Die Schöne und das Biest

  • 8-10 Min. Lesezeit
  • 16 Seiten

Die Schöne und das Biest, zum Vorlesen erzählt. Eine Rose aus dem falschen Garten, ein gehaltenes Versprechen und eine Frage, die jeden Abend wiederkommt.

Ein Kaufmann hatte drei Töchter.

Ein Kaufmann hatte drei Töchter. Die beiden älteren wollten Bälle und neue Kleider; die jüngste wollte Bücher und den Garten, und weil sie außerdem die Hübscheste war, nannten alle sie nur die Schöne — was ihr die Schwestern nie verziehen haben.

Dann gingen die Schiffe des Kaufmanns verloren, und die Familie zog in ein kleines Haus auf dem Land.

Dann gingen die Schiffe des Kaufmanns verloren, und die Familie zog in ein kleines Haus auf dem Land. Die beiden Älteren blieben bis zehn im Bett und beklagten sich. Die Schöne stand um vier auf, machte das Haus sauber, und am Ende des ersten Winters hatte sie gelernt, dass es ihr gefiel.

Eines Tages kam Nachricht, dass doch ein Schiff eingelaufen sei, und der Kaufmann machte sich auf den Weg zum Hafen.

Eines Tages kam Nachricht, dass doch ein Schiff eingelaufen sei, und der Kaufmann machte sich auf den Weg zum Hafen. Er fragte seine Töchter, was er ihnen mitbringen solle. Die Älteren wollten Kleider und Schmuck. Die Schöne bat um eine Rose, weil es dort, wo sie jetzt wohnten, keine gab.

Die Ladung war wegen alter Schulden gepfändet worden, und der Kaufmann kehrte mit nichts zurück.

Die Ladung war wegen alter Schulden gepfändet worden, und der Kaufmann kehrte mit nichts zurück. Im Wald überraschte ihn ein Unwetter, er verlor den Weg, und zwischen den Bäumen sah er Lichter.

Die Tore des Schlosses standen offen.

Die Tore des Schlosses standen offen. In der Halle brannte ein Feuer, und ein Tisch war für einen gedeckt, und es war niemand da. Er wartete, aß, weil er halb verhungert war, schlief, und am Morgen fand er frische Kleider bereitgelegt und das Frühstück auf demselben Tisch.

Beim Hinausgehen kam er unter einem Rosenbogen durch und erinnerte sich.

Beim Hinausgehen kam er unter einem Rosenbogen durch und erinnerte sich. Er brach eine ab. Da hörte man ein fürchterliches Brüllen, und etwas kam den Weg herunter auf ihn zu: ein Biest, riesig und zottig, das sagte, es habe ihm Dach und Essen gegeben, und er danke es ihm, indem er das Einzige stehle, was ihm lieb sei.

Der Kaufmann sagte, die Rose sei für seine Tochter.

Der Kaufmann sagte, die Rose sei für seine Tochter. Das Biest schwieg einen Augenblick. Dann sagte es: Geh nach Hause, und wenn eine deiner Töchter aus freiem Willen hierherkommt, an deiner Stelle, dann sollst du leben. Wenn nicht, komm in drei Monaten selbst zurück.

Der Kaufmann kam heim und erzählte alles.

Der Kaufmann kam heim und erzählte alles. Die älteren Schwestern sagten, es sei die Schuld der Schönen, weil sie eine Rose gewollt habe. Die Schöne sagte überhaupt nichts, und am Morgen ritt sie zum Schloss, und sie ritt allein.

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Textquelle: Handlung von Jeanne-Marie Leprince de Beaumont (1756), gemeinfrei. Der Text ist für Marytale neu geschrieben — es ist kein Nachdruck einer fremden Fassung.

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