Die Sterntaler

  • 6-8 Min. Lesezeit
  • 16 Seiten

Die Sterntaler — ein Märchen der Brüder Grimm zum Vorlesen. Ein Mädchen geht mit einem Stück Brot in der Hand hinaus und trifft unterwegs immer wieder jemanden.

Es war einmal ein Mädchen, dem war niemand mehr geblieben.

Es war einmal ein Mädchen, dem war niemand mehr geblieben. Vater und Mutter waren gestorben, das Haus gehörte längst anderen Leuten, und was sie besaß, trug sie an sich: das Kleid, das sie anhatte, ein Häubchen auf dem Kopf und ein Stück Brot, das ihr am Morgen jemand in die Hand gedrückt hatte.

Sie ging hinaus auf den Weg, weil sie nicht wusste, wohin sonst.

Sie ging hinaus auf den Weg, weil sie nicht wusste, wohin sonst. Der Wind kam von den Feldern her und roch nach Stroh und nach Abend, und die Sonne stand schon so tief, dass die Schatten der Zäune quer über den Weg lagen. Sie ging langsam, denn wer nirgendwohin muss, hat es auch nicht eilig.

Am Rand des Dorfes saß ein alter Mann auf einem Stein.

Am Rand des Dorfes saß ein alter Mann auf einem Stein. Er saß so, wie Leute sitzen, die schon lange dort sitzen, und sah das Mädchen kommen. „Ich habe seit gestern nichts gegessen“, sagte er, und es klang, als wäre es ihm unangenehm, das zu sagen.

Das Mädchen sah auf ihr Brot.

Das Mädchen sah auf ihr Brot. Es war nicht groß. Es war alles, was sie hatte. Sie brach es in zwei Teile, überlegte einen Augenblick und gab ihm dann beide. „Nehmt“, sagte sie. „Ich habe heute schon etwas gehabt.“ Das stimmte nicht ganz, aber sie sagte es so ruhig, dass er es glaubte.

Sie ging weiter, den Weg entlang, an den letzten Zäunen vorbei und hinaus, wo nur noch Felder waren und der Himmel gleich…

Sie ging weiter, den Weg entlang, an den letzten Zäunen vorbei und hinaus, wo nur noch Felder waren und der Himmel gleich hinter dem Getreide anfing. Es wurde kühler, und der Wind fuhr ihr jetzt von vorne ins Gesicht. Über den Hügeln stand der Abend, irgendwo bellte ein Hund, aber so weit weg, dass es fast freundlich klang.

Hinter der Wegbiegung stand ein kleines Kind, barfuß, mit Händen, die es unter die Arme geklemmt hatte.

Hinter der Wegbiegung stand ein kleines Kind, barfuß, mit Händen, die es unter die Arme geklemmt hatte. „Mir friert der Kopf“, sagte es. Es war noch klein genug, dass es nicht wusste, dass man so etwas nicht einfach zu Fremden sagt.

Das Mädchen nahm ihr Häubchen ab, kniete sich hin und setzte es dem Kind auf.

Das Mädchen nahm ihr Häubchen ab, kniete sich hin und setzte es dem Kind auf. Es rutschte über die Ohren, und das Kind lachte. Dann lief es weg, ohne sich noch einmal umzudrehen, wie Kinder das tun.

Der Wind ging jetzt auch dem Mädchen in die Haare, weil das Häubchen fehlte, und er war kälter, als sie gedacht hatte.

Der Wind ging jetzt auch dem Mädchen in die Haare, weil das Häubchen fehlte, und er war kälter, als sie gedacht hatte. Sie zog die Schultern hoch und ging weiter, dorthin, wo der Weg zwischen zwei Feldern hindurch in den Wald führte und die ersten Fichten standen, dunkel und ganz still.

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