Alice im Wunderland
- 10-12 Min. Lesezeit
- 20 Seiten
Alice im Wunderland, zum Vorlesen erzählt. Ein Kaninchen mit einer Taschenuhr, eine Tür, die zu klein ist, und eine Königin, die nur einen Satz kennt.

Alice saß neben ihrer Schwester am Flussufer und langweilte sich sehr. Das Buch, in das ihre Schwester sah, hatte keine Bilder und keine Gespräche, und Alice überlegte gerade, ob es sich lohne, für einen Gänseblümchenkranz aufzustehen.

Da lief ein weißes Kaninchen dicht an ihr vorbei. Das wäre nicht weiter merkwürdig gewesen, wenn es nicht «Oh je, oh je, ich komme zu spät!» gesagt und eine Taschenuhr aus der Westentasche gezogen hätte. Alice sprang auf und lief hinterher.

Das Kaninchen verschwand in einem großen Loch unter der Hecke, und Alice hinterher, ohne einen einzigen Gedanken daran, wie sie je wieder herauskommen sollte.

Der Fall dauerte so lange, dass sie unterwegs Zeit hatte, sich umzusehen: an den Wänden standen Regale mit Marmeladengläsern.

Unten lag ein langer Gang und am Ende eine Halle mit vielen verschlossenen Türen. Auf einem Glastischchen fand Alice einen winzigen goldenen Schlüssel, und der passte nur zu einer Tür hinter dem Vorhang — einer Tür, die nicht größer war als ein Rattenloch.

Dahinter lag der schönste Garten, den man sich denken kann. Alice bekam nicht einmal den Kopf hindurch. Da stand auf einmal ein Fläschchen auf dem Tisch, und darauf ein Zettel: «Trink mich.»

Sie trank, und sie wurde kleiner und kleiner, bis sie nur noch fünfundzwanzig Zentimeter groß war. Jetzt passte sie durch die Tür — aber der Schlüssel lag oben auf dem Tisch, und an den Tisch kam sie nicht mehr heran.

Dann fand sie ein Kuchenstück mit «Iss mich» in Korinthen, und davon wuchs sie so hoch, dass sie mit dem Kopf an die Decke stieß. Sie weinte vor Ärger so sehr, dass eine ganze Pfütze entstand — und als sie wieder klein wurde, fiel sie in ihre eigenen Tränen und musste darin schwimmen.

Mit ihr schwammen eine Maus, eine Ente, ein Dodo und ein Adlerchen. Am Ufer war allen kalt, und der Dodo schlug ein Wettrennen vor, bei dem jeder lief, wann er wollte und wohin er wollte. Nach einer halben Stunde waren alle trocken, und der Dodo erklärte, dass alle gewonnen hätten und alle einen Preis bekämen.

Später kam Alice an ein Haus, in dem eine Herzogin ein Baby schaukelte, eine Köchin Pfeffer in die Suppe warf, bis alle niesten, und eine Katze in der Ecke von einem Ohr zum anderen grinste. Es war die Grinsekatze, und sie war die Einzige im ganzen Wunderland, die Alice eine vernünftige Auskunft gab.
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Textquelle: Handlung von Lewis Carroll (1865), gemeinfrei. Der Text ist für Marytale neu geschrieben und zum Vorlesen gekürzt — es ist kein Nachdruck einer fremden Fassung.
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