Schneewittchen

  • 8-10 Min. Lesezeit
  • 16 Seiten

Schneewittchen — ein Märchen der Brüder Grimm zum Vorlesen. Der Spiegel an der Wand gibt jeden Morgen dieselbe Antwort, bis er es eines Tages nicht mehr tut.

Eine Königin saß im Winter am Fenster und nähte, und weil das Fenster einen schwarzen Rahmen hatte und draußen der Schnee…

Eine Königin saß im Winter am Fenster und nähte, und weil das Fenster einen schwarzen Rahmen hatte und draußen der Schnee lag, wünschte sie sich ein Kind: so weiß wie der Schnee, so rot wie das Blut am Finger, so schwarz wie das Holz am Fenster. Ein Jahr später hatte sie eine Tochter, und die nannte man Schneewittchen.

Die Königin starb, und der König nahm eine neue Frau.

Die Königin starb, und der König nahm eine neue Frau. Sie war schön, und sie wusste es, und sie hatte einen Spiegel, den sie jeden Morgen fragte, wer die Schönste im Land sei. Der Spiegel antwortete jahrelang dasselbe, und jahrelang war die Antwort sie selbst.

Schneewittchen war inzwischen vierzehn und ging durch das Schloss, ohne von alledem etwas zu wissen: ein ruhiges Kind mit…

Schneewittchen war inzwischen vierzehn und ging durch das Schloss, ohne von alledem etwas zu wissen: ein ruhiges Kind mit schwarzem Haar, das den Spiegel für ein Möbelstück hielt. Eines Morgens antwortete der Spiegel anders. „Ihr seid die Schönste hier“, sagte er, „aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.“ Von diesem Morgen an konnte die Königin das Kind nicht mehr im selben Raum ertragen.

Sie rief einen Jäger und schickte ihn mit Schneewittchen in den Wald.

Sie rief einen Jäger und schickte ihn mit Schneewittchen in den Wald. Was er dort tun sollte, sagte sie so deutlich, dass er es nicht falsch verstehen konnte. Sie gingen lange zwischen hohen Stämmen, das Kind voran, der Jäger einen Schritt dahinter, und Schneewittchen erzählte unterwegs, welche Blumen sie mitnehmen wollte.

Im Wald blieb der Jäger stehen.

Im Wald blieb der Jäger stehen. Er sah das Kind an, das keine Ahnung hatte, warum sie hier waren. Dann sagte er: „Lauf. Lauf weit und komm nicht zurück.“ Schneewittchen lief, bis sie nicht mehr konnte, und dann lief sie noch ein Stück weiter, weil Stehenbleiben schlimmer war. Der Wald wurde erst dunkler, dann dünner, und Dornen rissen ihr das Kleid auf.

Der Jäger ging allein ins Schloss zurück und log der Königin ins Gesicht.

Der Jäger ging allein ins Schloss zurück und log der Königin ins Gesicht. Schneewittchen aber stand am Abend zwischen den letzten Bäumen und sah vor sich ein kleines Haus, in dem Licht brannte. Sie klopfte, wartete lange und ging dann hinein.

Drinnen stand ein Tisch mit sieben kleinen Tellern, sieben Bechern und sieben Messern, und an der Wand standen sieben kleine…

Drinnen stand ein Tisch mit sieben kleinen Tellern, sieben Bechern und sieben Messern, und an der Wand standen sieben kleine Betten nebeneinander. Sie aß ein wenig von jedem Teller, weil sie keinem alles wegnehmen wollte, legte sich in das siebte Bett und schlief sofort ein.

Am Abend kamen die Zwerge von der Arbeit zurück, sieben Männer mit Lampen und Staub in den Bärten.

Am Abend kamen die Zwerge von der Arbeit zurück, sieben Männer mit Lampen und Staub in den Bärten. Sie sahen die Teller, dann die Betten, dann das Kind. Und weil sie nach einem langen Tag zu müde zum Streiten waren, ließen sie es schlafen und fragten am Morgen.

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