Tupsi und das Gewitter
- 5-6 Min. Lesezeit
- 14 Seiten
Eine Dinosauriergeschichte für Kinder, die Angst vor Gewittern haben. Der kleine Tupsi lernt, wie man das Donnern zählt, statt sich davor zu verstecken.

Tupsi war ein kleiner grüner Dinosaurier und wohnte mit seiner Mutter in einem Tal voller Farne, so hoch, dass er unter ihnen stehen konnte, ohne den Kopf einzuziehen. Am Fluss war es warm, es roch nach nassem Stein, und Tupsi mochte fast alles, was dort passierte.

Nur eines mochte er nicht, und das wusste im Tal jeder. Wenn der Himmel dunkel wurde und der Wind die Farne von unten anhob, kroch Tupsi unter das größte Blatt, das er finden konnte, machte die Augen zu und blieb dort, bis wieder Ruhe war. Manchmal dauerte das lange, und danach war das Blatt an einer Stelle ganz platt.

An diesem Nachmittag flogen die Libellen tief über dem Wasser, so tief, dass sie die Oberfläche berührten. Die Farne standen ganz still, kein einziges Blatt bewegte sich, und die Luft wurde schwer und warm. Tupsi merkte es zuerst an den Ohren, dann daran, dass die Vögel aufhörten.

Dann ging ein Blitz über den ganzen Himmel, von einem Talrand bis zum anderen, weiß und für einen Augenblick heller als der Tag. Gleich danach kam der Donner, so laut, dass der Boden mitzitterte, und Tupsi machte sich so klein, wie er nur konnte, und schob sich rückwärts unter die Farne.

Seine Mutter setzte sich neben ihn unter die Farne. Sie sagte nicht, dass es nicht schlimm sei, denn das hätte nicht geholfen. Sie sagte: „Zähl mit mir.“

Beim nächsten Blitz zählten sie zusammen: eins, zwei, drei, vier — und dann kam der Donner. „Vier“, sagte die Mutter ruhig. „Das Gewitter ist noch weit weg. Es kommt näher, wenn die Zahl kleiner wird.“ Tupsi sagte die Zahl leise noch einmal für sich und schaute vorsichtig zwischen den Farnen hervor.

Beim übernächsten Mal zählten sie bis drei. Dann bis zwei. Tupsi zitterte immer noch und drückte sich an die Seite seiner Mutter, aber er zählte mit, jedes Mal, laut und ordentlich. Und Zählen ist etwas, das man tun kann, während man Angst hat, und das ist mehr, als man von den meisten Dingen sagen kann.
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