Rumpelstilzchen

  • 7-9 Min. Lesezeit
  • 16 Seiten

Rumpelstilzchen — ein Märchen der Brüder Grimm zum Vorlesen. Stroh soll zu Gold werden, und der Helfer in der Kammer nennt seinen Preis erst ganz zum Schluss.

Ein Müller hatte eine Tochter und eine Angewohnheit: Er redete gern größer, als die Sache war.

Ein Müller hatte eine Tochter und eine Angewohnheit: Er redete gern größer, als die Sache war. Als er einmal vor dem König stand und nicht wusste, was er sagen sollte, sagte er: „Meine Tochter kann Stroh zu Gold spinnen.“ Er sagte es, weil es sich gut anhörte, und dachte in dem Augenblick nicht weiter darüber nach.

Der König dachte weiter darüber nach.

Der König dachte weiter darüber nach. Er ließ das Mädchen noch am selben Abend holen, führte sie in eine Kammer voller Stroh, stellte ein Spinnrad hinein und sagte: „Bis morgen früh. Wenn das Stroh dann nicht Gold ist, ist es dein letzter Tag hier.“ Dann schloss er die Tür ab und ging.

Das Mädchen setzte sich an das Rad.

Das Mädchen setzte sich an das Rad. Sie konnte spinnen, natürlich konnte sie das — Wolle zu Faden, wie jede. Aber Stroh war Stroh, und Gold war Gold, und dazwischen lag nichts, was ein Rad hätte überbrücken können. Sie legte die Hände in den Schoß und weinte.

„Guten Abend“, sagte jemand.

„Guten Abend“, sagte jemand. In der Kammer stand ein kleiner Mann, kaum größer als das Spinnrad, mit einem Gesicht wie eine alte Wurzel. „Was gibst du mir, wenn ich das für dich spinne?“

„Mein Halsband“, sagte sie, weil sie nichts anderes hatte.

„Mein Halsband“, sagte sie, weil sie nichts anderes hatte. Er nahm es, setzte sich, und das Rad ging los — schnell, viel zu schnell, und was von der Spule kam, glänzte. Als es hell wurde, war die Kammer voll Gold und der kleine Mann verschwunden.

Der König freute sich über das Gold und wurde gierig, und beides zugleich ist gefährlich.

Der König freute sich über das Gold und wurde gierig, und beides zugleich ist gefährlich. Noch am selben Abend brachte er das Mädchen in eine größere Kammer, in der mehr Stroh lag als in der ersten, stellte dasselbe Rad hinein und sagte dasselbe wie am Abend zuvor, Wort für Wort.

Der kleine Mann kam wieder.

Der kleine Mann kam wieder. Diesmal nahm er ihren Ring. Wieder ging das Rad die ganze Nacht, wieder war am Morgen alles Gold, und wieder stand der König in der Tür und rechnete im Kopf.

In der dritten Nacht war die Kammer die größte von allen.

In der dritten Nacht war die Kammer die größte von allen. „Wenn du auch das schaffst“, sagte der König, „wirst du meine Frau.“ Er sagte es, als wäre es ein Geschenk.

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