Die kleine Meerjungfrau

  • 8-10 Min. Lesezeit
  • 16 Seiten
  • 7+

Die kleine Meerjungfrau — ein Märchen von Andersen zum Vorlesen. Unten im Meer darf man erst mit fünfzehn nach oben sehen — und sieht alles zugleich.

Tief unten im Meer, wo das Wasser blau ist wie die Blätter der Kornblume und klar wie Glas, stand das Schloss des Meerkönigs.

Tief unten im Meer, wo das Wasser blau ist wie die Blätter der Kornblume und klar wie Glas, stand das Schloss des Meerkönigs. Er hatte sechs Töchter, und die jüngste war die stillste von allen.

Jede von ihnen hatte ein kleines Stück Garten vor dem Fenster.

Jede von ihnen hatte ein kleines Stück Garten vor dem Fenster. Die anderen pflanzten dort, was ihnen gefiel. Die Jüngste ließ nur rote Blumen wachsen, rund wie die Sonne, und in der Mitte stand die Figur eines Jungen aus weißem Marmor, die aus einem gesunkenen Schiff stammte.

Wenn eine der Schwestern fünfzehn wurde, durfte sie zum ersten Mal an die Oberfläche steigen und sich alles ansehen.

Wenn eine der Schwestern fünfzehn wurde, durfte sie zum ersten Mal an die Oberfläche steigen und sich alles ansehen. Danach kam sie zurück und erzählte, und die anderen saßen um sie herum und fragten. Die Jüngste hörte am längsten zu, sagte selbst wenig und zählte im Stillen die Jahre, die ihr noch fehlten.

Eine erzählte von einer Stadt mit Lichtern, die klangen wie Glocken.

Eine erzählte von einer Stadt mit Lichtern, die klangen wie Glocken. Eine von einem Sonnenuntergang, der den ganzen Himmel rot machte. Eine von Eisbergen, die aussahen wie Schlösser. Und jede sagte am Ende: Am schönsten war es doch zu Hause.

Endlich wurde auch die Jüngste fünfzehn.

Endlich wurde auch die Jüngste fünfzehn. Sie stieg hinauf, und über ihr war ein stiller Abend, und ganz nah lag ein großes Schiff mit Lampen an den Masten.

Auf dem Schiff wurde gefeiert.

Auf dem Schiff wurde gefeiert. Sie sah durch die runden Fenster in den hellen Saal, und dort stand ein junger Prinz mit dunklen Augen, für den das alles war. Sie sah ihn so lange an, dass sie nicht merkte, wie sich die Luft veränderte und wie die Matrosen anfingen, schneller zu gehen als vorher.

Der Sturm kam schnell, wie Stürme auf dem Meer kommen.

Der Sturm kam schnell, wie Stürme auf dem Meer kommen. Das Schiff brach, und die Menschen fielen ins Wasser, und die kleine Meerjungfrau tauchte zwischen den Balken hindurch, bis sie ihn fand.

Sie hielt seinen Kopf über Wasser die ganze Nacht und brachte ihn im Morgengrauen an einen Strand vor einer weißen Kirche.

Sie hielt seinen Kopf über Wasser die ganze Nacht und brachte ihn im Morgengrauen an einen Strand vor einer weißen Kirche. Dann blieb sie hinter den Felsen und wartete. Ein Mädchen kam heraus, fand ihn und rief um Hilfe, und der Prinz schlug die Augen auf und sah als Erstes dieses Gesicht.

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Textquelle: Handlung von Hans Christian Andersen, gemeinfrei. Der Text wurde für Marytale neu geschrieben — es ist kein Nachdruck einer fremden Übersetzung.

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