Die Schneekönigin

  • 8-10 Min. Lesezeit
  • 16 Seiten

Die Schneekönigin — ein Märchen von Hans Christian Andersen zum Vorlesen. Ein Splitter im Auge verändert alles, was Kai sieht, und Gerda geht ihn suchen.

Kai und Gerda wohnten in zwei Häusern, die so dicht nebeneinander standen, dass man von einem Dachfenster zum anderen steigen…

Kai und Gerda wohnten in zwei Häusern, die so dicht nebeneinander standen, dass man von einem Dachfenster zum anderen steigen konnte. In den Kästen dort oben wuchsen Rosen, und im Sommer saßen die beiden dazwischen und lasen einander vor.

Es gab einmal einen Spiegel, der alles Gute klein und alles Schlechte groß zeigte.

Es gab einmal einen Spiegel, der alles Gute klein und alles Schlechte groß zeigte. Wer hineinsah, erkannte sich kaum wieder. Eines Tages zerbrach er, und seine Splitter flogen über die ganze Welt, so fein wie Staub. Wer einen davon ins Auge bekam, sah von da an alles schief. Wer einen ins Herz bekam, merkte es selbst am wenigsten.

An einem Winterabend, als Kai am Fenster stand, tat ihm plötzlich das Auge weh, und dann noch etwas in der Brust.

An einem Winterabend, als Kai am Fenster stand, tat ihm plötzlich das Auge weh, und dann noch etwas in der Brust. Es war so schnell vorbei, dass er es gleich wieder vergaß.

Am nächsten Tag sagte er, die Rosen seien hässlich und von Würmern zerfressen, und riss eine ab, um es zu zeigen.

Am nächsten Tag sagte er, die Rosen seien hässlich und von Würmern zerfressen, und riss eine ab, um es zu zeigen. Er sagte, Gerdas Buch sei etwas für kleine Kinder. Er ahmte den alten Nachbarn nach, so genau, dass die anderen Kinder lachten — und Kai merkte, dass Lachen leichter zu bekommen ist als Freundlichkeit.

Im Winter fuhren die Jungen mit ihren kleinen Schlitten auf den Marktplatz und banden sie an vorbeifahrende Wagen.

Im Winter fuhren die Jungen mit ihren kleinen Schlitten auf den Marktplatz und banden sie an vorbeifahrende Wagen. An einem Abend kam ein großer weißer Schlitten zweimal um den Platz. Kai band seinen daran fest.

Der weiße Schlitten fuhr aus der Stadt hinaus, immer schneller, und der Schnee wurde so dicht, dass Kai nichts mehr sah.

Der weiße Schlitten fuhr aus der Stadt hinaus, immer schneller, und der Schnee wurde so dicht, dass Kai nichts mehr sah. Er wollte sich losbinden und konnte nicht. Dann hielt der Schlitten, und die Frau, die ihn fuhr, stand auf.

Sie war groß, weiß und schön, und sie war ganz aus Eis.

Sie war groß, weiß und schön, und sie war ganz aus Eis. Sie hüllte Kai in ihren Mantel und küsste ihn auf die Stirn, und der Kuss war kälter als alles, was er kannte. Danach fror er nicht mehr, und danach dachte er auch nicht mehr an zu Hause.

Im Frühling suchte Gerda ihn überall.

Im Frühling suchte Gerda ihn überall. Die Leute sagten, er sei tot, im Fluss ertrunken. Gerda glaubte es nicht. Sie nahm ihre roten Schuhe, die schönsten, die sie hatte, ging zum Fluss und fragte ihn, ob er Kai genommen habe.

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