Die Nacht, in der der Nikolaus zu spät kam

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  • 14 Seiten

Eine Nikolausgeschichte zum Vorlesen. In einer Straße bleibt ein Stiefel leer, und der Nikolaus merkt es erst, als der Schlitten schon wieder zu Hause steht.

Der Nikolaus arbeitete nach einer Liste, und die Liste war lang.

Der Nikolaus arbeitete nach einer Liste, und die Liste war lang. Sie war so lang, dass er sie in der Mitte zusammenrollte, damit sie nicht über den Schlittenrand hing und im Schnee nass wurde. Ganz oben standen die Straßen, unten die Höfe draußen vor der Stadt, und daneben, in kleiner Schrift, was jedes Kind sich gewünscht hatte und was es davon wirklich brauchte.

In der Nacht vom fünften auf den sechsten Dezember fuhr er los, wie jedes Jahr.

In der Nacht vom fünften auf den sechsten Dezember fuhr er los, wie jedes Jahr. Es schneite leicht, was gut ist, weil frischer Schnee die Spuren zudeckt. Er war schnell und gründlich: Fenster, Flur, Stiefel, weiter. Bis zum Morgen hatte er jede Straße abgearbeitet, die auf der Liste stand, und er war zufrieden, so wie man zufrieden ist, wenn eine lange Nacht ohne Fehler zu Ende geht.

Zu Hause stellte er den Schlitten in die Scheune, hängte den Mantel zum Trocknen auf und rollte die Liste wieder auseinander,…

Zu Hause stellte er den Schlitten in die Scheune, hängte den Mantel zum Trocknen auf und rollte die Liste wieder auseinander, um sie wegzulegen. Da fiel etwas heraus.

Es war ein Stück Papier, klein wie ein Bonbonpapier, und es hatte die ganze Nacht zwischen zwei Rollen gesteckt.

Es war ein Stück Papier, klein wie ein Bonbonpapier, und es hatte die ganze Nacht zwischen zwei Rollen gesteckt. Darauf stand eine Straße, eine Hausnummer und ein Name: Mira, Erdgeschoss, Fenster zum Hof.

Der Nikolaus setzte sich auf die Bank in der Scheune und sagte eine ganze Weile gar nichts.

Der Nikolaus setzte sich auf die Bank in der Scheune und sagte eine ganze Weile gar nichts. Draußen wurde es hell, und im Dorf ging das erste Küchenlicht an. Der sechste Dezember hatte längst angefangen, und es gibt Dinge, die man nicht nachholen kann, weil sie zur falschen Zeit nicht mehr dasselbe sind. Er las den Namen noch einmal, obwohl er ihn schon auswendig konnte.

Mira war an diesem Morgen als Erste wach, wie immer am sechsten Dezember.

Mira war an diesem Morgen als Erste wach, wie immer am sechsten Dezember. Sie ging barfuß über den kalten Flur zu der Stelle neben der Garderobe, wo ihr Stiefel stand: geputzt, mit einem frischen Schnürsenkel, weil sie das am Abend extra noch gemacht hatte.

Der Stiefel war leer. Nicht fast leer, nicht ein bisschen. Leer, wie am Tag davor, als sie ihn hingestellt hatte. Sie hob ihn…

Der Stiefel war leer. Nicht fast leer, nicht ein bisschen. Leer, wie am Tag davor, als sie ihn hingestellt hatte. Sie hob ihn hoch und sah trotzdem hinein, und dann stellte sie ihn wieder ab, genau auf dieselbe Stelle.

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