Das tapfere Schneiderlein

  • 8-10 Min. Lesezeit
  • 16 Seiten

Das tapfere Schneiderlein — ein Märchen der Brüder Grimm zum Vorlesen. Sieben Fliegen auf einen Streich, und danach glaubt jeder etwas anderes darüber.

Ein Schneiderlein saß an einem Sommermorgen auf seinem Tisch am Fenster und nähte.

Ein Schneiderlein saß an einem Sommermorgen auf seinem Tisch am Fenster und nähte. Unten auf der Gasse rief eine Frau: „Gutes Mus, gutes Mus!“, und das klang so gut, dass er sie heraufrief und sich ein wenig abwiegen ließ.

Er strich sich das Mus dick auf ein Stück Brot und legte es neben sich auf den Tisch, weil er die Naht erst noch fertig…

Er strich sich das Mus dick auf ein Stück Brot und legte es neben sich auf den Tisch, weil er die Naht erst noch fertig machen wollte. Der Geruch ging zum offenen Fenster hinaus und die Treppe hinunter, und im ganzen Haus wussten die Fliegen innerhalb eines Augenblicks Bescheid.

Sie kamen zu Dutzenden.

Sie kamen zu Dutzenden. Das Schneiderlein wedelte, sie kamen wieder. Da wurde er wütend, nahm ein Stück Tuch und schlug einmal fest zu.

Als er nachzählte, lagen sieben Fliegen da, alle sieben mit einem Schlag.

Als er nachzählte, lagen sieben Fliegen da, alle sieben mit einem Schlag. „Das muss die Stadt erfahren“, sagte er, schnitt sich einen Gürtel zurecht und stickte darauf: Sieben auf einen Streich.

Dann fand er, dass eine Werkstatt für so einen Mann zu klein sei.

Dann fand er, dass eine Werkstatt für so einen Mann zu klein sei. Er sah sich um: ein Tisch, eine Schere, ein Fenster mit Aussicht auf eine Gasse. Er suchte im Haus nach etwas zu essen, fand einen alten Käse, steckte ihn ein, fing im Gebüsch vor dem Tor noch einen Vogel dazu und ging hinaus in die Welt.

Auf einem Berg saß ein Riese und sah ins Land hinunter.

Auf einem Berg saß ein Riese und sah ins Land hinunter. Das Schneiderlein setzte sich einfach zu ihm, als wäre das nichts Besonderes, und zeigte dabei so nebenbei auf seinen Gürtel. Der Riese las: Sieben auf einen Streich. Er las es so, wie es jeder lesen würde, der in diesem Augenblick nicht an Fliegen denkt.

„Kannst du das?“ fragte der Riese und drückte einen Stein so fest, dass Wasser heraustropfte.

„Kannst du das?“ fragte der Riese und drückte einen Stein so fest, dass Wasser heraustropfte. Das Schneiderlein nahm den Käse aus der Tasche und drückte ihn, bis der Saft lief. Der Riese sagte nichts dazu.

„Und das?“ Der Riese hob einen Stein auf und warf ihn so hoch, dass man ihn oben kaum noch sah, und sie mussten beide lange…

„Und das?“ Der Riese hob einen Stein auf und warf ihn so hoch, dass man ihn oben kaum noch sah, und sie mussten beide lange warten, bis er wieder herunterkam. „Er fällt aber wieder herunter“, sagte das Schneiderlein, griff in die Tasche und ließ den Vogel fliegen. Der stieg auf und kam nicht zurück, und der Riese sah ihm nach, bis er nichts mehr sah.

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