Däumelinchen

  • 8-10 Min. Lesezeit
  • 16 Seiten

Däumelinchen — ein Märchen von Andersen zum Vorlesen. Aus einem Gerstenkorn wächst eine Blume, und in der Blume sitzt ein Mädchen so groß wie ein Daumen.

Eine Frau wünschte sich sehr ein Kind, und weil sie nicht wusste, woher sie eines nehmen sollte, ging sie zu einer alten Frau…

Eine Frau wünschte sich sehr ein Kind, und weil sie nicht wusste, woher sie eines nehmen sollte, ging sie zu einer alten Frau am Feldrand. Die gab ihr ein einziges Gerstenkorn und sagte, sie solle es in einen Blumentopf legen und abwarten. Die Frau stellte den Topf auf die Fensterbank und goss ihn jeden Morgen.

Am dritten Tag stand darin eine Blume, geschlossen wie eine Tulpe.

Am dritten Tag stand darin eine Blume, geschlossen wie eine Tulpe. Und als die Frau sie küsste, öffnete sie sich mit einem leisen Knacken, und mitten darin, auf dem grünen Grund, saß ein Mädchen. Es war nicht größer als ein Daumen, und deshalb nannte sie es Däumelinchen.

Däumelinchen bekam eine Nussschale als Bett, Veilchenblätter als Matratze und ein Rosenblatt als Decke.

Däumelinchen bekam eine Nussschale als Bett, Veilchenblätter als Matratze und ein Rosenblatt als Decke. Tagsüber spielte sie auf dem Tisch: dort stand ein Teller mit Wasser, darauf schwamm ein Tulpenblatt, und darauf ruderte sie mit zwei Pferdehaaren von einem Rand zum anderen und sang dabei.

In einer Nacht kam durch eine zerbrochene Scheibe eine große Kröte hereingeklettert, nass und breit.

In einer Nacht kam durch eine zerbrochene Scheibe eine große Kröte hereingeklettert, nass und breit. Sie sah das schlafende Mädchen an und dachte, das wäre genau die richtige Frau für ihren Sohn. Sie nahm die Nussschale mit dem Bett und trug sie hinaus zum Fluss.

Am Morgen wachte Däumelinchen auf einem Seerosenblatt mitten im Wasser auf.

Am Morgen wachte Däumelinchen auf einem Seerosenblatt mitten im Wasser auf. Rundherum war Fluss, und ans Ufer kam sie nicht. Die Kröte saß im Schlamm und richtete unten schon alles her.

Aber die kleinen Fische im Wasser hatten alles mit angehört, und weil ihnen das Mädchen leidtat, bissen sie den Stängel des…

Aber die kleinen Fische im Wasser hatten alles mit angehört, und weil ihnen das Mädchen leidtat, bissen sie den Stängel des Blattes durch. Das Blatt drehte sich einmal und trieb mit der Strömung davon, den ganzen Fluss hinunter, an Wiesen und Weiden vorbei.

Ein weißer Schmetterling setzte sich auf das Blatt.

Ein weißer Schmetterling setzte sich auf das Blatt. Däumelinchen band ihren Gürtel um ihn und um den Stiel, und da ging es schneller: der Schmetterling zog, das Blatt glitt, und über ihr war den ganzen Vormittag nichts als Himmel.

Dann kam ein Maikäfer geflogen, packte sie um die Mitte und trug sie hinauf in einen Baum.

Dann kam ein Maikäfer geflogen, packte sie um die Mitte und trug sie hinauf in einen Baum. Er setzte sie auf das größte Blatt und fand sie schön. Die anderen Maikäfer fanden das nicht: sie habe nur zwei Beine, keine Fühler und viel zu wenig Panzer. Da setzte er sie wieder ab, unten auf ein Gänseblümchen, und flog davon.

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