Das verlorene Ei
- 5-6 Min. Lesezeit
- 14 Seiten
Eine Dinosauriergeschichte für Kinder. Ein Regenguss nimmt eines der vier Eier aus dem Nest, und der große Bruder geht es suchen.

Das Nest lag am Hang, aus Sand und Blättern gebaut, und darin lagen vier Eier. Drei waren hell und glatt, und das vierte war ein bisschen kleiner und hatte dunkle Sprenkel, als hätte jemand von weit oben darauf geniest.

Nuri war der Älteste und passte auf. Er war noch nicht groß, aber er war groß genug, um im Kreis um das Nest zu gehen und die Blätter zurechtzuschieben, wenn der Wind sie verrutschte. Er machte das gern und ziemlich oft.

In der Nacht kam Regen. Nicht der freundliche, der auf die Farne trommelt und nach zehn Minuten wieder aufhört, sondern der andere: Er kam von der Seite, lief in kleinen Bächen den Hang hinunter, riss Erde und Blätter mit, und über dem ganzen Tal blieb kein einziger trockener Fleck. Es dauerte bis zum Morgengrauen.

Am Morgen stand die Mutter über dem Nest und zählte. Drei Eier lagen da. Der Rand des Nestes war weggespült, und wo das vierte gelegen hatte, war eine Rinne im Sand, die den ganzen Hang hinunterführte.

Nuri ging los, ohne zu fragen und ohne zu warten, bis jemand es ihm erlaubte. Unten im Tal lagen Äste, Blätter und Zweige, die das Wasser in der Nacht zusammengetragen hatte, in langen Haufen an der Biegung des Baches. Er fing beim ersten Haufen an und arbeitete sich durch, Stück für Stück, und sah dabei unter jedes Blatt.

Zwischen den angeschwemmten Blättern fand er eine Schale. Sie war dünn, hell und leer, und sie zerbrach schon, als er sie hochhob. Sie war zu klein und sie war nicht gesprenkelt, und Nuri stand eine Weile da, bevor er weitersuchte.

Dann sah er es. Ein schlammiges, gesprenkeltes Ei, verkeilt in der Gabelung einer Wurzel, dort, wo das Wasser sich gedreht hatte und den Rest weitergetragen hatte.
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