Der Rabe und der Fuchs

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Der Rabe und der Fuchs — eine Fabel von Äsop mit Moral zum Vorlesen. Der Rabe hatte ein Stück Käse, und der Fuchs unten am Baum hatte Zeit.

Es war früher Morgen, und über dem Feld lag noch der kalte Rest der Nacht.

Es war früher Morgen, und über dem Feld lag noch der kalte Rest der Nacht. Der Rabe saß auf dem Zaun neben dem Bauernhof und wartete, wie er jeden Morgen wartete: bis die Tür aufging, bis jemand herauskam, bis irgendwo etwas liegen blieb, das niemand mehr wollte.

An diesem Morgen blieb ein Stück Käse liegen.

An diesem Morgen blieb ein Stück Käse liegen. Es war nicht groß, aber es war gelb, und es roch so, wie Käse eben riecht, wenn man seit gestern nichts gefressen hat. Der Rabe war schneller als die Katze, schneller als der Hund und viel schneller als der Bauer, der noch nicht einmal aufgesehen hatte.

Er flog mit dem Käse im Schnabel bis zur alten Eiche am Wegrand und setzte sich auf den dicksten Ast, hoch genug, dass…

Er flog mit dem Käse im Schnabel bis zur alten Eiche am Wegrand und setzte sich auf den dicksten Ast, hoch genug, dass niemand hinaufkam. Von dort sah er das Feld, den Hof und den Weg. Er hatte es nicht eilig. Er wollte den Käse in Ruhe fressen, und Ruhe hatte er hier oben genug.

Unten auf dem Weg kam ein Fuchs vorbei.

Unten auf dem Weg kam ein Fuchs vorbei. Er sah den Raben. Er sah den Käse. Und er blieb stehen, ohne dabei hinaufzuschauen, so als wäre er nur zufällig gerade hier zum Stehen gekommen.

„Was für ein Vogel“, sagte der Fuchs zur Straße hin, nicht zum Baum.

„Was für ein Vogel“, sagte der Fuchs zur Straße hin, nicht zum Baum. „So schwarz. Ich habe im ganzen Wald noch nichts so Schwarzes gesehen. Das glänzt ja wie nasser Kies in der Sonne.“ Der Rabe rührte sich nicht, aber er hörte zu, und Zuhören ist der erste Schritt.

„Und diese Federn“, sagte der Fuchs weiter und setzte sich hin, als hätte er den ganzen Tag Zeit.

„Und diese Federn“, sagte der Fuchs weiter und setzte sich hin, als hätte er den ganzen Tag Zeit. „Groß, glatt, kein einziger Riss darin. Ein Vogel wie eine Krone. Man müsste wissen, wie so einer klingt.“ Der Rabe rückte ein Stück näher an den Stamm.

„Aber sicher gar nicht“, sagte der Fuchs und seufzte tief.

„Aber sicher gar nicht“, sagte der Fuchs und seufzte tief. „So schön und dann stumm. Das wäre wirklich schade. Dann bleibt er eben der schönste Vogel, den niemand je gehört hat.“

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Textquelle: Fabel von Äsop (6. Jh. v. Chr.), gemeinfrei. Der Text wurde für Marytale neu geschrieben — es ist kein Nachdruck einer fremden Übersetzung.

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