Das fünfundzwanzigste Türchen

  • 5-7 Min. Lesezeit
  • 14 Seiten

Eine Adventsgeschichte zum Vorlesen. Der Kalender hat vierundzwanzig Türchen, und Jonas ist ganz sicher, dass er unten rechts noch eines gesehen hat.

Jonas bekam am ersten Dezember einen Adventskalender, der schon einmal benutzt worden war.

Jonas bekam am ersten Dezember einen Adventskalender, der schon einmal benutzt worden war. Er kam aus dem Karton oben auf dem Schrank, war an einer Ecke geknickt, hatte einen Fleck, der aussah wie ein kleines Land, und roch nach Papier, das lange im Dunkeln gelegen hat.

„Der ist von deiner Oma“, sagte die Mutter.

„Der ist von deiner Oma“, sagte die Mutter. „Den hat sie selbst gemacht, aus Pappe und Papier, als ich so alt war wie du. Der Trick ist: Die Türchen macht man auf und danach wieder zu, und jedes Jahr legt jemand etwas Neues hinein. Deshalb ist er noch da und deshalb sieht er so aus.“

Jonas zählte nach, zweimal, weil er beim ersten Mal durcheinandergekommen war.

Jonas zählte nach, zweimal, weil er beim ersten Mal durcheinandergekommen war. Vierundzwanzig Türchen, in vier Reihen, ordentlich nummeriert, jede Zahl mit der Hand geschrieben. Und dann, unten rechts, halb hinter dem Rahmen, war noch eines. Es war kleiner als die anderen, und es hatte keine Zahl.

„Das ist keins“, sagte die Mutter, als er fragte, und schob den Kalender ein Stück zurecht.

„Das ist keins“, sagte die Mutter, als er fragte, und schob den Kalender ein Stück zurecht. „Das ist ein Fehler im Papier, da hat sich beim Schneiden etwas verzogen.“ Sie sagte es freundlich, aber ein bisschen zu schnell, und danach wollte sie über etwas anderes reden.

Vom ersten bis zum vierundzwanzigsten Dezember machte Jonas jeden Morgen ein Türchen auf, immer vor dem Frühstück, immer mit…

Vom ersten bis zum vierundzwanzigsten Dezember machte Jonas jeden Morgen ein Türchen auf, immer vor dem Frühstück, immer mit dem Daumennagel, weil die Türchen alt waren und leicht einrissen. Dahinter lagen kleine Dinge: ein Bleistift, ein Bonbon, ein zusammengefalteter Zettel mit einer Aufgabe für den Tag, und einmal nur ein getrocknetes Blatt, das niemand erklären konnte.

Und jeden Morgen, bevor er das Türchen des Tages aufmachte, sah er zuerst kurz nach unten rechts, ob das Türchen ohne Zahl…

Und jeden Morgen, bevor er das Türchen des Tages aufmachte, sah er zuerst kurz nach unten rechts, ob das Türchen ohne Zahl noch da war. Es war immer noch da. Es ging auch nicht auf, wenn man daran zog, jedenfalls nicht so, dass man es hätte weitermachen wollen, ohne das Papier kaputt zu machen.

Am vierundzwanzigsten war der Kalender leer.

Am vierundzwanzigsten war der Kalender leer. Alle Türchen standen offen wie kleine Fensterläden, und dahinter war nur Pappe, an manchen Stellen heller als an anderen. Der Kalender sah aus, als hätte er seine Arbeit getan.

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