Schwere Zungenbrecher, die kaum jemand schafft

13 Zungenbrecher

Diese gelingen nicht beim ersten und nicht beim fünften Mal, und genau das ist die Abmachung. Ein schwerer Zungenbrecher hat keine seltsamen Wörter — er stellt zwei fast gleiche Laute so dicht nebeneinander, dass der Mund dazwischen nicht umschalten kann.

Ab acht Jahren gehen sie gut, wenn das Kind am Verhaspeln nicht mehr verzweifelt, sondern sich gern selbst Unsinn sagen hört. Unter jedem steht, wo die Falle liegt — das sollte man vorher lesen, denn wer weiß, wo er hinfällt, fällt seltener.

  1. Der Cottbuser Postkutscher putzt den Cottbuser Postkutschkasten.

    Was die Zunge bricht: «Postkutscher» und «Postkutschkasten» unterscheiden sich in der Mitte um zwei Laute. Das «tsch» kommt viermal, und beim Beschleunigen wird daraus ein einziges Geräusch.überliefert

  2. Es klapperten die Klapperschlangen, bis ihre Klappern schlapper klangen.

    Was die Zunge bricht: «Klapper», «Schlange», «schlapper», «klangen»: «kl» und «schl» im Wechsel. Zeile zwei ist die Hürde — da kippt fast jeder in «klapper».überliefert

  3. Zwischen zwei Zwetschgenzweigen zwitschern zwei Schwalben.

    Was die Zunge bricht: «Zw» fünfmal und dazwischen «schg» und «schw». Der deutsche Satz mit den meisten Zischlauten auf engstem Raum.überliefert

  4. Wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen, fliegen Fliegen Fliegen nach.

    Was die Zunge bricht: Ein Wort, vier Bedeutungen, sechsmal hintereinander. Hier stolpert nicht der Mund, sondern der Kopf, der den Satz nebenbei verstehen will.überliefert

  5. Schnecken erschrecken, wenn Schnecken an Schnecken schlecken, weil zum Schrecken vieler Schnecken Schnecken nicht schmecken.

    Was die Zunge bricht: «Schn», «schr», «schl», «schm» — vier Anläufe mit «sch», die alle anders weitergehen. Vier Zeilen, und die dritte bricht die meisten.überliefert

  6. Am zehnten zehnten zehn Uhr zehn zogen zehn zahme Ziegen zehn Zentner Zucker zum Zoo.

    Was die Zunge bricht: Dreizehnmal «z» und dazwischen Zahlen, die man mitdenken muss. Das «zehnten zehnten» am Anfang ist der schwerste Teil.überliefert

  7. Wenn hinter Robben Robben robben, robben Robben Robben nach.

    Was die Zunge bricht: Dieselbe Bauweise wie bei den Fliegen, aber mit einem Wort, das als Tier und als Tätigkeit gleich klingt. Kürzer und dadurch schneller verwirrend.überliefert

  8. Brauchbare Bierbrauerburschen brauen brausendes Braunbier.

    Was die Zunge bricht: «Br» achtmal hintereinander ohne eine einzige Ausnahme. Das «brausendes Braunbier» am Schluss ist die Stelle, an der es reißt.überliefert

  9. Hinter Hermann Hannes Haus hängen hundert Hemden raus, hundert Hemden hängen raus hinter Hermann Hannes Haus.

    Was die Zunge bricht: Nur «h», das im Deutschen kaum Kraft hat — deshalb verschluckt man es beim Schnellsprechen, und der Satz löst sich auf.überliefert

  10. Sieben Schneeschipper schippen sieben Schippen Schnee, und sieben Schneeschipper mehr schippen sieben Schippen mehr.

    Was die Zunge bricht: «Sch» und «schn» abwechselnd, dazu die Zahl sieben viermal. «Schippen Schnee» ist die eine Stelle, die immer kippt.überliefert

  11. Kleine Kinder können keine Kirschkerne knacken.

    Was die Zunge bricht: «K» achtmal, davon dreimal mit einem zweiten Mitlaut dahinter: «kn», «kr», «kk». Kurz, aber härter als es aussieht.überliefert

  12. Der dicke Dachdecker deckt dir dein Dach. Dank dir, dicker Dachdecker, dass du dir dein Dach so dicht gedeckt hast.

    Was die Zunge bricht: Fünfzehnmal «d» und dazwischen «ck», das den Mund kurz anhält. Zeile drei ist doppelt schwer, weil man dabei auch noch den Sinn verliert.überliefert

  13. Zwölf zerzauste Zaunkönige zwängten sich zwischen zwanzig zerzupfte Zwetschgenkerne.

    Was die Zunge bricht: «Z» mit «w», mit «e» und mit «ö» — drei verschiedene Fortsetzungen desselben Anlauts. Von uns gebaut, für alle, die die überlieferten schon können.von uns

Wie man übt

Bei den schweren hilft nur zerlegen. Man sagt bloß das erste Stück, bis es dreimal sauber kommt, hängt dann das zweite an, und so weiter. Den ganzen Satz von Anfang an zu versuchen bringt gar nichts: Man scheitert immer an derselben Stelle und verliert die Lust. Das Zweite, was hilft, ist die Mundbewegung lächerlich zu übertreiben — bei den «a» weit aufmachen, bei den «o» die Lippen vorschieben. Das sieht albern aus und ist genau das, was die beiden verwechselten Laute auseinanderzieht. Und wenn einer wochenlang hängen bleibt, legt ihn weg und kommt in einem Monat wieder: Diese lernt man durch Ruhen, nicht durch Bohren.

Mehr Zungenbrecher

Überlieferte deutsche Zungenbrecher, anonym und gemeinfrei. Einer von dreizehn stammt von uns und ist so gekennzeichnet. Auswahl, Reihenfolge und die Hinweise zur Stolperstelle sind von Marytale. Quelle: Wikipedia, Zungenbrecher.