Der Kompass des guten Herzens

  • 8-10 Min. Lesezeit
  • 18 Seiten

Kai hätte nie gedacht, dass ein Klassenausflug zu einem alten Leuchtturm alles verändern würde. Doch ganz oben im Turm wartet ein zerkratzter Messingkompass, der nur in den Händen eines wirklich guten Menschen erwacht — und den Weg zu allen weist, die Hilfe brauchen. Eine warmherzige Geschichte über Achtsamkeit, Mitgefühl und die überraschende Kraft kleiner guter Taten.

Kai war noch nie ein großer Freund von Ausflügen gewesen.

Kai war noch nie ein großer Freund von Ausflügen gewesen. Doch an dem Morgen, als seine Klasse zum alten Leuchtturm an der Küste aufbrach, fühlte sich etwas anders an — als hätte diese Reise nur auf ihn gewartet.

Der Leuchtturm ragte hoch und salzzerfressen empor, mit rissigen Stufen, einer knarrenden Tür und einem strengen Wärter…

Der Leuchtturm ragte hoch und salzzerfressen empor, mit rissigen Stufen, einer knarrenden Tür und einem strengen Wärter namens Herr Grewe. Die anderen Kinder lauschten seinen Geschichten von Schiffen, Stürmen und Leuchtfeuern. Kai aber ließ den Blick in die Ecken und über die staubigen Regale wandern. Er suchte immer nach etwas Ungewöhnlichem.

In einer winzigen Kammer gleich unter dem Turm fiel ihm eine hölzerne Truhe auf.

In einer winzigen Kammer gleich unter dem Turm fiel ihm eine hölzerne Truhe auf. Ihr Deckel stand offen, und darin lag ein alter Kompass, über und über zerkratzt, sein Messinggehäuse dunkel von der Zeit.

„Das Ding ist kaputt“, sagte Herr Grewe trocken, als er den Blick des Jungen bemerkte.

„Das Ding ist kaputt“, sagte Herr Grewe trocken, als er den Blick des Jungen bemerkte. „Damit findet niemand mehr den Weg.“ Kai betrachtete den Kompass noch einmal und hob dann langsam den Blick.

„Darf ich ihn mitnehmen?“, fragte er schüchtern.

„Darf ich ihn mitnehmen?“, fragte er schüchtern. „Ich würde ihn gern reparieren. Ich glaube, er ist noch nicht ganz hinüber.“ Herr Grewe sah den Jungen verwundert an — dann nickte er zustimmend. Kai steckte den Kompass behutsam in die Tasche. Im selben Augenblick zitterte die Nadel ganz leicht, als wollte sie zustimmen.

Zu Hause holte er eine Taschenlampe und betrachtete den Kompass noch einmal.

Zu Hause holte er eine Taschenlampe und betrachtete den Kompass noch einmal. Zuerst lag die Nadel ganz still. Doch nach ein paar Sekunden zitterte sie sacht … und begann sich langsam zu drehen. Kai erstarrte. Er hielt den Kompass in den hohlen Händen und traute seinen Augen kaum — die Nadel drehte sich nicht wahllos, sondern schien genau zu wissen, wohin sie zeigen wollte. Das war kein kaputtes Gerät. Das war ein Kompass, der gerade wieder zum Leben erwachte.

Kai trat in den Hof hinaus.

Kai trat in den Hof hinaus. Der Kompass in seiner Tasche zitterte und wies zur linken Seite der Bucht. Leise ging der Junge den vertrauten Pfad entlang, vorbei an den dunklen Fenstern der Fischerhäuschen und dem alten Steg. Alles ringsum war still — bis er plötzlich ein leises Winseln hörte.

Unter einem umgedrehten Boot saß im Schatten ein durchnässter Hund mit großen, traurigen Augen.

Unter einem umgedrehten Boot saß im Schatten ein durchnässter Hund mit großen, traurigen Augen. „Hast du dich verlaufen?“, flüsterte Kai und streckte vorsichtig die Hand aus. Der Hund lief herbei und schmiegte sich an ihn, als hätte er lange auf Hilfe gewartet. An seinem Halsband hing eine Marke mit einer Telefonnummer.

Keine halbe Stunde später kam ein weinendes Mädchen herbeigelaufen.

Keine halbe Stunde später kam ein weinendes Mädchen herbeigelaufen. „Maxi!“, rief sie. „Wo warst du nur?“ Kai sagte nichts — er lächelte nur sanft und streichelte den Kopf des Hundes. In diesem Augenblick wurde der Kompass in seiner Tasche wieder ganz still.

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