Der kleine Hase Oskar und die silberne Uhr

  • 9-11 Min. Lesezeit
  • 21 Seiten

Tief in einem Wald, wo die Baumwipfel die Wolken berühren, lebt Oskar, der schnellste Hase weit und breit — und sein größter Schatz ist eine kleine silberne Taschenuhr, die bei jedem Sprung mitticktackt. Doch als die Uhr an einem hellen Frühlingsmorgen plötzlich verschwindet, führt Oskars verzweifelte Suche ihn zu Gerald, einem weisen alten Bären mit einem sanften Geheimnis. Eine warmherzige, heitere Geschichte darüber, dass die schönsten Wunder der Welt sich erst zeigen, wenn man endlich langsamer wird und wirklich hinschaut.

Vor langer, langer Zeit lebte in einem Wald, wo die Baumkronen die Wolken berührten und kristallklare Bäche ihre…

Vor langer, langer Zeit lebte in einem Wald, wo die Baumkronen die Wolken berührten und kristallklare Bäche ihre plätschernden Lieder sangen, ein kleiner Hase namens Oskar.

Er war berühmt dafür, das schnellste Tier im ganzen Wald zu sein.

Er war berühmt dafür, das schnellste Tier im ganzen Wald zu sein. Seine Pfoten flitzten wie Blitze, wenn er über die geschwungenen Pfade sauste, hin und her zwischen uralten Eichen und weichen Tannen. Die anderen Waldbewohner konnten nur staunen, wenn ein kleiner grauer Fellball an ihnen vorbeischoss und nichts zurückließ als einen sanften Windhauch.

Oskar hatte ein Lieblingsstück auf der ganzen Welt — eine silberne Taschenuhr, von der er sich niemals trennte.

Oskar hatte ein Lieblingsstück auf der ganzen Welt — eine silberne Taschenuhr, von der er sich niemals trennte. Mit ihr maß er jede einzelne Sekunde seiner blitzschnellen Waldrennen.

An einem hellen Frühlingsmorgen, als die Sonne gerade erst durch die Blätter zu blinzeln begann und den Wald in goldenes…

An einem hellen Frühlingsmorgen, als die Sonne gerade erst durch die Blätter zu blinzeln begann und den Wald in goldenes Licht tauchte, hüpfte Oskar wie immer aus seinem gemütlichen Bau, bereit, wieder den Wind in den Ohren zu spüren.

Er machte seine gewohnten Morgendehnübungen, steckte eine Pfote in die Tasche, um nach der Zeit zu sehen ...

Er machte seine gewohnten Morgendehnübungen, steckte eine Pfote in die Tasche, um nach der Zeit zu sehen ... und erstarrte auf der Stelle. Seine Uhr war weg. „Meine Uhr! Wo ist nur meine Uhr?!“, rief Oskar, und sein Herz flatterte vor Aufregung.

Er tastete jede Tasche ab, beschnupperte das Gras ringsum und spähte unter jedes einzelne Blatt.

Er tastete jede Tasche ab, beschnupperte das Gras ringsum und spähte unter jedes einzelne Blatt. Doch die Uhr war nirgends zu finden. „Ich muss sie wohl beim gestrigen Lauf verloren haben“, dachte Oskar und rannte los, seine gewohnte Strecke entlang, jeden Zentimeter des Pfades aufmerksam absuchend.

Er suchte unter den Brombeersträuchern, spähte hinter die Bäume und tauchte sogar in den kalten Bach — doch die Uhr schien…

Er suchte unter den Brombeersträuchern, spähte hinter die Bäume und tauchte sogar in den kalten Bach — doch die Uhr schien sich in Luft aufgelöst zu haben.

Mit jeder Minute wurde Oskar verwirrter und verzweifelter.

Mit jeder Minute wurde Oskar verwirrter und verzweifelter. Er rannte kreuz und quer, so schnell, dass die Welt um ihn herum zu einem verschwommenen Farbfleck wurde. Vogelgezwitscher, raschelnde Blätter, der Duft der Blumen — all das entging ihm völlig.

Schließlich ließ sich Oskar völlig erschöpft unter einer alten Eiche nieder.

Schließlich ließ sich Oskar völlig erschöpft unter einer alten Eiche nieder. Seine Pfoten zitterten vor Müdigkeit, und sein Herz pochte so laut, dass man es scheinbar am anderen Ende des Waldes hören konnte. Ohne seine kostbare Uhr fühlte er sich so hilflos wie ein Vögelchen, das aus dem Nest gefallen ist.

Plötzlich hörte Oskar schwere, gleichmäßige Schritte, unter denen die Erde ganz leise bebte.

Plötzlich hörte Oskar schwere, gleichmäßige Schritte, unter denen die Erde ganz leise bebte. Es war Gerald — ein alter Braunbär, dessen Weisheit jeder Waldbewohner kannte. Seine mächtige Gestalt strahlte Ruhe und Gewissheit aus, und in seinen tiefen, klugen Augen spiegelte sich all die Güte und Lebenserfahrung wider, die er in langen Waldjahren gesammelt hatte.

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