Iwasyk-Telesyk

  • 9-11 Min. Lesezeit
  • 16 Seiten

Iwasyk-Telesyk — ein ukrainisches Volksmärchen zum Vorlesen. Der Großvater schnitzte einen Sohn aus einem Holzscheit, und der wuchs über Nacht.

Es lebten einmal ein Großvater und eine Großmutter, und sie hatten keine Kinder.

Es lebten einmal ein Großvater und eine Großmutter, und sie hatten keine Kinder. Das Haus war gut, der Garten trug, und abends war es in der Stube so still, dass man hörte, wie im Ofen die Asche sank. — Schnitz mir wenigstens ein Holzscheit — sagte die Großmutter einmal. — Ich werde es wiegen. Der Großvater dachte, die Großmutter rede vor Kummer Unsinn. Aber er ging in den Wald.

Der Großvater schnitzte aus einem Lindenscheit einen kleinen Jungen — mit Händchen, mit Füßchen, mit einer Nase.

Der Großvater schnitzte aus einem Lindenscheit einen kleinen Jungen — mit Händchen, mit Füßchen, mit einer Nase. Brachte ihn nach Hause und legte ihn in die Wiege. Die Großmutter deckte ihn mit einem Tuch zu und begann zu wiegen. Sie wiegte und sang, wiegte und sang, bis sie selbst einschlief.

Am Morgen aber sagte jemand aus der Wiege: — Mutter, ich habe Hunger.

Am Morgen aber sagte jemand aus der Wiege: — Mutter, ich habe Hunger. Die Großmutter setzte sich auf die Bank und sah lange hin. In der Wiege lag ein lebendiger Junge und blinzelte. Sie nannten ihn Iwasyk-Telesyk. Und von diesem Tag an war es in der Stube nie wieder so still wie vorher.

Iwasyk wuchs schnell, wie alles wächst, worauf man lange gewartet hat.

Iwasyk wuchs schnell, wie alles wächst, worauf man lange gewartet hat. Nach einer Woche lief er, nach einem Monat sprach er, und nach einem Jahr bat er den Großvater um ein Boot und ein Ruder. — Ich fahre fischen — sagte er. — Ihr mögt doch Fisch. Der Großvater machte ihm ein goldenes Boot und ein silbernes Ruder.

Jeden Morgen fuhr Iwasyk auf den Fluss hinaus, und die Mutter brachte ihm zu essen und rief vom Ufer: — Iwasyk-Telesyk, komm…

Jeden Morgen fuhr Iwasyk auf den Fluss hinaus, und die Mutter brachte ihm zu essen und rief vom Ufer: — Iwasyk-Telesyk, komm ans Ufer, komm ans Ufer, ich geb dir zu essen und zu trinken! Und Iwasyk erkannte die Stimme der Mutter hundert Schritte weit, und das Boot drehte von selbst ans Ufer.

Im Schilf jenseits des Flusses aber wohnte eine Schlange, und sie hatte eine Tochter, Olenka.

Im Schilf jenseits des Flusses aber wohnte eine Schlange, und sie hatte eine Tochter, Olenka. Die hörte einen Tag zu, hörte einen zweiten zu — und lernte die Worte auswendig. Sie trat ans Ufer und rief mit einer Stimme, dick wie ein Balken: — Iwasyk-Telesyk, komm ans Ufer, komm ans Ufer!

Iwasyk hob den Kopf und lachte.

Iwasyk hob den Kopf und lachte. — Das ist nicht die Stimme meiner Mutter — sagte er. — Meine Mutter hat eine Stimme dünn wie ein Schilfhalm, und du hast eine wie ein alter Wagen. Und ruderte in die Mitte des Flusses, wo das Wasser tief und ruhig war.

Olenka ging zum Schmied.

Olenka ging zum Schmied. — Schmied, schmiede mir die Stimme dünn. Der Schmied sah sie an und sagte das, was alle Schmiede sagen, wenn man sie um Seltsames bittet: — Ich schmiede sie. Aber beschwer dich nachher nicht.

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